Was für ein Geschrei! Schon so früh am Morgen. Möwen kreisen über unseren Köpfen und stürzen sich auf das alte Brot, das wir eher beiläufig ins Meer geschmissen haben. Sind die so hungrig? Ne, die sind einfach nur gierig. Möwen sind so….

Wie lange werfen wir nun schon unsere Brotreste über Bord? Seit 6 Monaten? Ich glaube schon. Mein Mann und ich, wir leben gerade auf dem Wasser. Wir erfüllen uns einen Traum – segeln auf einem wunderbaren Katamaran an den Küsten Europas entlang. Auf der quasi München haben wir alles was wir brauchen, von der guten Flasche Wein bis zur japanischen Kunst. Mit der Zeit haben wir es uns an Bord recht gemütlich gemacht. Und doch – am Ende muss sich jeder auf See damit abfinden, dass es auch ungemütlich werden kann – ganz einfach weil man auf dem Wasser ist. Und damit sind wir auch gleich beim Thema: Wasser. Wasser und Japan.

quasi München – unser aktuelles zu Hause

Seit ich auf unserem wunderbaren Katamaran lebe (ich habe mir ein einjähriges Sabbatical gegönnt), habe ich weitaus mehr Zeit für mich. Das heißt natürlich Zeit zum Segeln, aber auch Zeit zu Lesen, zu schreiben und meinen Gedanken nachzuhängen. Und ich spreche von wirklichem nachhängen, abhängen, auf die tollsten und dümmsten Gedanken kommen. Über Mögliches und Unmögliches einfach mal brüten: Also wieso? Wieso habe ich so selbstverständlich einen Karton mit unterschiedlichstem Sake auf unseren Katamaran mitgeschleppt, einen großen Karton – so viele Sorten Tee, so viele Bücher über die Kultur und die Ästhetik Japans eingepackt, wo ich doch auf ein Boot gehe? Wäre da nicht andere Lektüre angebracht, oder zumindest andere Getränke? Wir segeln an die schönste Orte Europas und ich schlage meine Bücher auf und lese von Japan. Macht das denn Sinn? Im Hier und Jetzt sein stellt man sich anders vor, oder nicht?

Nur – die Dinge stellen sich für mich etwas anders dar, seltsamerweise, aber ja. Ich schreibe den Blog Kunst aus Japan. Wer würde daher nicht davon ausgehen, dass ich Japan wirklich gut leiden kann. Ich habe mich im Studium in die Sprache und die Kultur Japans vertieft und auch für eine bescheiden kurze Zeit in Japan gelebt. Doch das ist nicht alles. Japan ist für mich mittlerweile mein Vergleichsmedium wenn es darum geht, das Schöne oder das Angenehme zu bemessen. Japan hat viel mit meiner eigenen Justierung in der Welt zu tun. Es ist mir auf seltsame Weise zur inneren Stütze geworden. Japan ist für mich einfach überall.

Und ob Sie es glauben oder nicht, es gibt eine beinahe elementare Verbindung zwischen Japan und der Segelwelt: Wasser. Und ja, Wasser wird uns letztlich auch zu Tee und Sake führen.

Wasser spielt im Alltag der japanischen Gesellschaft eine wesentlich bedeutendere Rolle als dies in westlichen Kulturen der Fall ist. Nehmen wir das Offensichtlichste. Aufgrund der tektonischen Bedingungen in Japan brodelt heißes, mineralhaltiges Wasser an allen Ecken und Enden einfach aus dem Boden, was von Mensch und Tier allzu gerne für entspannende heiße Bäder (Onsen) genutzt wird. Überhaupt, das tägliche heiße Bad, ob zu Haus oder gemeinsam im Badehaus (Sento), ist ein beinahe heiliges oder zumindest existentielles Ritual, das im Alltag Japans nicht wegzudenken ist.

Japan als Insel ist natürlich von Wasser umgeben, in der Regenzeit fällt Wasser vom Himmel und hinterlässt eine enorm hohe Luftfeuchtigkeit. Traditionelle Wege und Trittsteine werden aus praktischen und ästhetischen Gründen gewässert. Man könnte sagen, Japan ist einfach nass. Vor dem Betreten von Schreinen und einigen Tempeln erfolgt eine rituelle Reining von Händen und Mund mit Wasser. Und nicht zuletzt die Lebensmittel, Reis wächst in Japan im Wasser, das Brauen von Sake verlangt nach Unmengen von Wasser und Tee….

Der Alltag des Seglers – nicht weniger wässrig, mit Wasser von unten und auch häufig von Oben, häufiger als einem vielleicht lieb ist. Nach rauen Fahrten schwappen wir literweise Süßwasser über das Deck, um das Salzwasser zu entfernen. Neben dem beliebten Bad im Meer steht man oft mit den Füßen im Wasser, eben beim Schrubben, oder wenn die Badkabine ausspritzt. werden muss. Man spült und wäscht seine Kleidung mit den Händen und ist auch einmal betrübt, wenn das Wasser nach einem Regenguss durch die undichten Luken drückt. Bilgenpumpen entfernen das „zu viel an Wasser“. Mit dem Wassermacher produzieren wir Süßwasser für den täglichen Gebrauch. Wasser ist ein ständiges Thema an Bord und wird demnach auch ein zentrales Thema in meinem Segeltagebuch sein.

Als verbindendes Element kommen neben dem Wasser sowohl in Japan als auch beim Segeln die Götter mit ins Spiel. Die Götter?

Ja, lesen Sie einfach weiter. Dies ist ein Tagebuch mit unterschiedlichsten Gedanken auf See, nicht nur zum Thema Wasser und Götter, als auch zu den Themen Sake und Tee, japanisches Essen, japanische Kunst und japanisches Leben an Bord. Dieses Tagebuch ist ein fortlaufender Eintrag, ich bin selbst gespannt, welche Gedanke hier noch zusammenkommen werden, bei einem ganzen Jahr auf See.  

Fortsetzung folgt…

Wasser

Die Farben Japans und auch die Farben auf See: Blau und Weiß


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